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Thementag „Voll dabei statt ausgegrenzt“
 






Peiting. „Voll dabei statt ausgegrenzt“ – der Name war Programm. Jeder einzelne war voll dabei, von der ersten bis zur letzten Sekunde. Die Themen waren hoch aktuell und zeitgemäß. Auf diese Art halten vielleicht demnächst vermehrt auch für Kinder und Jugendliche integrative und attraktive Trendsportarten Einzug in die Vereine, um hier den Weg für Integration und Inklusion zu bereiten.

Obwohl das Viertelfinale bei der Fußball-Weltmeisterschaft mit dem Deutschlandspiel das Programm noch einmal zusammengedrückt hatte und das Teilnehmerfeld gegen Ende des Tages bröckeln ließ, kann es nur ein Fazit geben: Der Thementag „Chancen des Integrationssports“ des Behinderten- und Rehabilitations-Sportverbandes Bayern (BVS) unter dem Motto „Voll dabei statt ausgegrenzt“ muss eine Wiederholung finden oder - noch besser - eine Dauereinrichtung werden!

Auf hohem Niveau

Was dabei auf die Beine gestellt wurde, konnte sich sehen lassen. Die rund 50 Teilnehmer waren voll des Lobes, die Aula der Grundschule in Peiting gut gefüllt bei den Referaten, die große Dreifach-Sporthalle ließ reichlich Platz für die Praxis-Workshops. Bei all dem erfuhr der BVS Bayern viel Unterstützung durch die Gemeinde und die BRSG Peiting mit ihrer Übungsleiterin Heidi Hepp. Auch das Bayerische Sozialministerium stand ideell und finanziell hinter der Durchführung dieser hochkarätigen Veranstaltung.

Höhepunkt war die Verleihung des Integrationspreises durch Bezirkstagspräsident Christoph Hillenbrand und BVS-Vizepräsident Dr. Wolfgang Kemmler. Die Attraktivität aller anderen Programmpunkte hielt sich die Waage – allerdings auf so hohem Niveau, dass es großer Anstrengungen bedürfen wird, um das zu überbieten.

Es muss Spaß machen

Die Referenten waren bei ihren Vorträgen allesamt in ihrem Element. Für sie war Sport, besser: Integrationssport, nicht nur Beruf, sondern echte Berufung und ein persönliches Anliegen. Sie zogen ihre Zuhörer ausnahmslos in ihren Bann, fesselten deren Aufmerksamkeit bis zum letzten Wort und gaben jede Menge neue Motivation und praktische Anregungen zum Umsetzen.

Drei Referenten, drei Themen – und doch gab es in vielen Punkten vollkommene Übereinstimmung: Sport muss Spaß machen, Übungsleiter und Betreuer benötigen viel Fingerspitzengefühl – und: Integration muss im Kindesalter beginnen! Erwachsenen fällt es oft zu schwer, ihre Vorurteile abzulegen und offen auf Menschen mit Handicap zuzugehen.

Das Umfeld muss stimmen

„Bewegungsraum Wasser – Raum für Inklusion“ war das Thema von Dr. Uwe Rheker (Universität Paderborn). Er berichtet über gemeinsame Erfahrungen von Menschen mit und ohne Behinderung im Wasser. Hier bewegen sie sich auf gleicher Ebene, physisch wie auch psychisch.

Orpheus Mach erzählte, wie man „mit Sport zurück ins Leben“ kommt. An seinem Arbeitsplatz in der BG-Unfallklinik in Murnau erlebt er jeden Tag, wie schwerkranke Patienten im Rollstuhl auch durch den Sport wieder fit gemacht werden fürs Leben und durch den neu eingeübten Bewegungsablauf und die Stärkung der Muskulatur wieder mehr Selbstständigkeit erreichen. Mach warnte jedoch davor, den Sport als allein selig machendes Mittel für die Integration und Inklusion zu betrachten. Das familiäre und soziale Umfeld, aber auch ein Arbeitsplatz nehmen seiner Meinung nach einen höheren Stellenwert ein.

Immer mit großer Empathie

Wie wichtig Familie und Freundeskreis sind, konnte auch Univ.-Prof. em. Dr.rer.nat. Jürgen Innenmoser von der Universität Leipzig aus einer Arbeit mit krebskranken Kindern belegen. Er plädierte in seinem Vortrag „Inklusion und Integration in jeden Sport um jeden Preis?“ u . a. für die Rechte von Kindern, zu denen optimale Fürsorge und Förderung gehören, aber auch das Recht zu spielen und spielend die Welt zu entdecken.

Alle Bewegungen müssen einfach und leicht erlernbar sein, Anreize zum häufigen Tun geben und in einer angenehmen sozialen Gemeinschaft erfolgen, das sind einige der Grundsätze, die im Integrationssport berücksichtigt werden müssen. Dennoch: „Es bedarf vieler Ideen, gründlichen Nachdenkens über die nächsten Bewegungsvorschläge und – immer! – einer großen Empathie“, lautete Innenmosers Credo. Darin stimmte er mit seinen Vorrednern überein und erhielt damit den ungeteilten Beifall des Auditoriums.

Vielfältiges Programm

PD Dr. Wolfgang Kemmler, Vizepräsident Rehabilitationssport im BVS Bayern, führte gekonnt durch die Veranstaltung und moderierte auch die Bewegungspause mit Steffi Mörbt und das „Pausenprogramm“ mit dem Rollstuhltanzpaar Heike Limberg & Andreas Donath. Sie haben 2010 erstmals für Bayern die Deutsche Vizemeisterschaft in Standard und Latein gewonnen und präsentierten unter dem tosenden Beifall der restlos begeisterten Veranstaltungsteilnehmer eine Auswahl aus ihrem vielfältigen Programm.

Ein Film stellte die integrative Arbeit der Handicap-Sparte des Segelclubs Prien am Chiemsee vor. Hier wird inzwischen sogar mit dem Ziel Paralympics gearbeitet.

Jede Menge Anregungen

Neue Erfahrungen sammelten die Teilnehmer beim Praxis-Workshop „Integratives Klettern in der Turnhalle“ mit Toni Lamprecht und Manuela Unger. Im Klettergurt erhielt jeder die Möglichkeit, die einzelnen Phasen vom Aufwärmen bis hin zum Klettern und Abseilen selbst auszuprobieren – alles perfekt gesichert.
Gisela Brand, die Leiterin des Vereins „Pfiff“ Freising und dessen EISs-Gruppe, brachte so manchen zum Nachdenken. „Selbstständiges Handeln in der Psychomotorik“ war ein Thema, das für den einen oder anderen Neuland war und jede Menge Anregungen für ein Umsetzen in der täglichen Sportpraxis der Übungsleiter bot.


Fotos:
Überzeugte mit Empathie: Prof. Dr. Jürgen Innenmoser
Bewegungspause mit Steffi Mörbt
Klettern macht auch in der Sporthalle Spaß!
 
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